Wir erreichen den südlichsten Punkt unserer Armenien Reise und können von unserem Standplatz, dem Meghri-Pass, bis in den Iran schauen. Zwischenzeitlich haben wir uns bereits ein wenig auf unsere Rückkehr nach Deutschland gefreut. Aktuell würden wir aber nichts lieber tun, als die Rückfahrt abzusagen und die Grenze einige km weiter südlich passieren um noch weitere Länder erkunden. Hilft aber alles nichts, wir müssen bald zurück und zudem gibt es eine anderes Thema, das unsere Aufmerksamkeit verlangt.

Standplatz am Meghri-Pass (ausnahmsweise mal selber entdeckt)

So langsam kommen wir in die heiße Phase unserer Vorbereitung für die Kazbekbesteigung. Julie berechnet bereits unseren theoretischen Kalorienbedarf und packt, mit der, just beschafften, Küchenwaage sorgfältig abgemessene Müsliportionen in Zip-Beutel, die wir zur Übung schon auf unsere Wanderungen mitnehmen. Ich versuche mal probehalber unsere Kazbek-Packliste in meinen mittlerweile in die Jahre gekommenen 75 Liter Rucksack zu quetschen und wiege ihn mit der, just beschafften, Kofferwaage ab. Um die vorraussichtlichen 18-20 kg im Rucksack stemmen zu können, nehmen wir bereits jetzt häufig etwas mehr Gepäck mit als notwendig.

So auch zu unserer geplanten Besteigung des nahegelegen Aluks (3800m). Hier stellt sich das Gepäck als besonders unnötig heraus. Bei einem vorgelagerten See lernen wir eine armenische Familie kennen und werden prompt zu deren Picknick eingeladen. Wieder einmal spricht eine Frau recht gut Deutsch und wir können uns mit ihr, im Gegensatz zu den meisten anderen Armenier, die nur Russisch als Fremdsprache sprechen, gut unterhalten. Hauptstimmungsmacher des Picknicks ist jedoch ein anderer Armenier, der sich aus dem Deutschunterricht nur “Komm’ an die Tafel!” behalten hat und diesen Spruch auch ständig wiederholt während er uns den, selbstgebrannten, 70 %, Vodka in kleine Espressotassen füllt. Alle Protesten helfen nichts und so brechen wir alsbald recht angeheitert unsere geplante Bergtour ab und verbringen dafür einen lustigen Nachmittag mit den Armeniern.

Dabei kommen auch einige armenische Soldaten am Picknickplatz vorbei. Ihre jungen doch müden und sonnenverbrannten Gesichter lassen darauf schließen, dass sie sich schon länger hier im Freien aufhalten. Es muss sich um eine Patroullie handeln, welche die unweite Grenze zu Aserbaidschan bewacht. Die Soldaten werden von der armenischen Familie herzlich begrüßt, mit Essen versorgt und auf sie angestoßen. Sehr verständlich hatte es ja, zwar an einer anderen Grenze, erst letztes Jahr bewaffnete Ausseinandersetzungen mit Aserbaidschan gegeben. Mir ist etwas mulmig zu Mute, wenn ich meine eigene Jugend mit der der Soldaten vergleiche. Die Szene triftet schließlich immer weiter ins skurrile ab, als die angeheiterten Armenier vorschlagen mit dem Gewehr der Soldaten auf ein paar Ziele zu schießen. Wir werden auch dazu eingeladen lehnen jedoch dankend ab. Ganz im Gegensatz zu den Kindern der armenischen Familie, wo nach älterer Sohn und Tochter schließlich auch der Jüngste mit vielleicht 10 Jahren mal ausprobieren darf wie sich der Rückschlag eines Gewehrs anfühlt. Wir kehren schließlich zu unserem Van zurück, natürlich nicht ohne einige Handvoll Sonnenblumenkerne und einer Einladung zum Haus der armenischen Familie im Gepäck (..das wir aufgrund unseres Termins am Kazbek in einer Woche nicht wahrnehmen).

One Reply to “2023-08-03 Bei Kajaran”

  1. Das sieht ja toll aus und so nah am Iran, faszinierende Landschaften die ihr von eurem Stellplatz seht und immer wieder gute Geschichten.

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