Wir packen verschlafen und eilig unsere Sachen ein, als wir durch die halb offene Bustüre herzlich von einer Gruppe iranischer Wanderer mittleren Alters begrüßt werden. “Mist” denke ich, wir haben eben verhindern wollen im großen Touristenstrom auf den Aragaz zu wandern. Doch da wir am Tag zuvor noch den Seevansee haben genießen wollen, waren wir erst spät an unserem Standplatz an einem Gebirgsee auf 3200m angekommen und haben auch kaum mehr Zeit gehabt die Sachen zu packen oder das Essen vorzubereiten. Wir kommen also zu spät los, stellen jedoch glücklicherweise fest, dass sich die großen Gruppen trotzdem noch hinter uns befinden. Die drei zuvor kurz kennengelernten Iraner holen wir bald wieder ein und stellen fest, sie haben weder Kartenmaterial bei sich, noch eine großartige Idee auf welchen der 4 Gipfel sie eigentlich wollen.

Mit GPS, GoogleTranslate Händen und Füßen versuche ich ihnen zu erklären, dass die meisten Leute auf den Südgipfel gehen, wir aber auf den Nordgipfel wollen und dass diese Tour um einiges weiter und anstrengender sei und frage sie, wo sie denn hinwollen. Sie nicken hauptsächlich fleißig und scheinen sich von nun an darauf zu verlassen, dass wir den Weg kennen. Wir sind etwas im Zwiespalt, weil wir den Tag zum Akklimatisieren nutzen und deshalb unbedingt auf den, ungefähr doppelt so weit entfernten, Nordgipfel gipfel, passen unser Tempo schließlich jedoch etwas an, auch weil wir uns gut mit den Iranern unterhalten, deren Land wir so gerne bereist hätten. Der am jüngsten aussehende, der drei allen mit guter Markenausrüstung ausgestatteten Iraner scheint besonders mit der Tour zu kämpfen. Wir erfahren nicht, ob er krank ist oder war, müssen ihn aber bereits nach 1h Gehen durch sanft ansteigendes Gelände mit einem Müsliriegel aufpäppeln. Weitere 45 min später und kurz unter dem Südgipfel (den wir eigentlich gar nicht haben besteigen wollen) bitten uns die Iraner schließlich mit ihnen eine Tee- und Snackpause zu machen. Wir schauen zunächst ungläubig auf die Uhr (wir sind nun wirklich spät dran), dann ungläubig auf die Iraner beschließen aber abermals mit ihnen kurz zu verweilen. Sie waren auch einfach eine lustige Truppe. Nach weiteren 45 Minuten erreichen wir schließlich den Südgipfel und feiern dessen Besteigung nach (ganzen!) 3h Aufstiegs.

Blick vom Südgipfel auf den (noch zu besteigenden) Nordgipfel

Nach zahlreichen Bildern, Nummernaustausch und herzlicher Verabschiedung beginnt gefühlt für uns die eigentliche Tour. Wir steigen vom Südgipfel in den Krater des erloschenen Vulkans hinab um auf der anderen Seite auf den Nordgipfel hinaufzusteigen. Soweit haben wir die Höhe von 3800 m gut vertragen und sind gespannt, wie es uns auf dem 4027m hohen Nordgipfel gehen wird. Mit einer Mischung aus Kopfschmerzen, Übelkeit, Enttäuschung über meinen Körper und Besorgnis über die bevorstehende Kazbekbesteigung erreiche ich schließlich den Nordgipfel. Julie dagegen scheint es bedeutend besser zu gehen. Wir “genießen” die Aussicht und die Besteigung unseren ersten 4000ers, auch wenn er durch die südliche Lage recht einfach zu besteigen war. Aufgrund des nicht vorhandenen Windes ist es am Gipfel sogar relativ warm und wir bleiben über eine Stunde dort, auch um unseren Körper auf die Höhe einzustellen, bevor wir wieder zum Auto hinabsteigen.

Am Folgetag belohne wir uns mit gutem Essen und besichtigen noch eine ehemalige Radarstation am Fuße des Aragaz. Die Anlage gegen die wir nur gegen Vorlage unserer “Erlaubnis” in Form eines 2000 Dirham Scheines betreten dürfen, scheint offiziell nicht zugänglich zu sein, gleichzeitig jedoch wie eine Art Museum geführt zu werden.

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