Wir sind etwas aufgeregt, als wir uns der georgischen Grenze nähern. Wir waren nun schon wieder zwei Monate in der Türkei und hatten uns fast so etwas wie eingelebt. Julie konnte sich mit ihrem Türkisch schon so etwas wie verständigen oder zumindest einige Sympathiepunkte bei den Einheimischen ergattern und selbst ich verstand mittlerweile ein paar Grundbegriffe wie Milch, Wasser oder Auto. Das alles sollte sich nun ändern, wir würden noch nicht einmal die Schrift lesen können und vor allem es würde sich erstmals seit langem wieder um ein mehrheitlich christliches Land handeln.

Als wir an der Grenze ankommen beginnt aber zunächst mal wieder die übliche Grenzübergangsodysee. Wir werden zu verschiedenen Stationen auf der einer Baustelle ähnelnden Grenze hin- und hergeschickt. Dabei müssen wir uns immer wieder ein Grinsen verkneifen, als wir die notdürftig und provisorisch zusammengefriemelten Büros erblicken. Die Webcam, mit der ein Foto von uns aufgenommen wird, war offensichtlich an ihrer ursprünglichen Metallarmbefestigung nicht besonders praktisch gewesen und ist deswegen kurzerhand an deren Mitte mit zwei Metallbohrschrauben an den Fensterrahmen “versetzt” worden. Über dem Wartebereich sind, gegen das ständige Tropfen des übergeordneten Daches, mehrere Metallplatten gelegt worden, die nun das Wasser einige Meter weiter “ableiten”. Hauptattraktion sind für uns jedoch die vier Hundewelpen, die sich am Parkplatz zwischen den Autos tummeln. Uns vergeht schließlich kurzzeitig das Lachen, als der Hauptgrund für unsere (kleine) Odysee klar wird: Wir waren geblitzt worden und müssen ein offenen Strafzettel bezahlen. So schlecht organisiert war die türkische Polizei dann wohl doch nicht. Der weitere Übergang geht problemlos und wir werden von den georgischen Grenzbeamten freundlich willkommen geheißen.

Wir verbringen die ersten Tag im leichten Kulturschock: Es wird wieder öffentlich um Bier geworben, wir sehen Frauen im Minirock und ohne Kopftuch, sowie Bauen, die oberkörperfrei auf dem Feld arbeiten. Schnell erinnert uns Georgien an Petterson und Findus: Bilderbuch Bauernhöfe mit frei laufenden: Schweinen, Pferden, Kühen, Hühnern und Hunden. Die Tierhaltung, deren Fleisch man bei uns wahrscheinlich mit dem höchsten Bio-Demeter+ Siegel verkaufen könnte ist hier (noch) absoluter Standard. Dabei scheinen die Tiere sich selbst zu halten, wir sehen selten Bauern, die ihr Vieh irgendwo hin treiben. Stattdessen scheinen die Kühe morgens auszuschwärmen um zu grasen und abends zurück zu ihrem Hof zu gehen. Etliche Male müssen wir bremsen bis anhalten, um Kühen, die sich auf der Straße tummeln, auszuweichen. Obwohl Georgien so weit von uns entfernt ist, erinnert es uns doch stark an zu Hause. Die Kneipen, mit ihren Verzierungen, könnten so auch in Lindau stehen und auch der Bierkrug liegt sehr ähnlich in der Hand.

Wir verbringen die ersten Wochen im Kharagauli National Park, Tiblisi und um Kuitassi wo wir wandern und klettern. Dabei fällt uns ständig auf wie grün das Land überall ist. Alle Berge sind hochbewaldet und selbst in den Städten hängen die Äste bis tief in die Straße hinein. Wohl auch weil sie allerhöchstens von vorbeifahrenden Autos “gekürzt” werden. Warum es hier wohl so grün ist, muss man sich nicht lange fragen, da der ständig aufkommende Regen das schnell beantwortet. Es p***t häufig und viel, selbst jetzt im Juni und mehr als einen Tag verbringen wir bei Dauerregen im Bus. Dazwischen kommt jedoch die Sonne heraus und wir können viele schöne Orte erkunden. Als das Wetter sich schließlich etwas festigt machen wir uns in Richtung des “Herzstücks” Georgiens auf: Dem Kaukasus.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *