Gastbeitrag von Julie

Es wird langsam Frühling und wir wollen in den Oman. Seit wenigen Jahren hat Saudi-Arabien einen Grenzübergang zum Oman, davor liegen nach Riad etwa 700 km Wüste. Nachdem das Land hauptsächlich aus Wüste besteht, machen wir uns keine großen Gedanken, Saudi hat eine gute Infrastruktur. Wir übernachten im Nirgendwo, und als uns der Hunger in Kombination mit Kochfaulheit antreibt nach dem nächsten Ort zu schauen, sehen wir, dass dieser erst in etwa 400 Kilometern kommt. “Glaubst du, dort ist auch die nächste Tankstelle?” frage ich etwas besorgt in Hinblick auf unseren nicht einmal mehr halbvollen Tank und die zuvorkommende Berechnung des Autos, dass wir noch etwa 290 Kilometer weit fahren können. “Nein, das können sie ja nicht machen”. Wer hier denkt, dass wir schlichtweg naiv sind, muss wissen, dass sich in Saudi eigentlich alle paar Kilometer eine Tankstelle und ein Spielplatz befindet. Manchmal zwar eine, die nicht gelaufen sein dürfte und außer Betrieb ist, dann kommt aber spätestens 30 Kilometer später die nächste. Ohne allzu goße Sorgen fahren wir also weiter, irgendwann schauen wir auf Google nach Tankstellen, nachdem das verheißungsvolle “Horsegate”, das mehrfach auf großen Schildern angekündigt wurde, sich als Ort entpuppt, der nicht von der restlichen Wüste zu unterscheiden ist. Man hätte meinen können, wir werden hier veräppelt! Die genauere Google-Recherge ergibt, dass sich die nächste Tankstelle tatsächlich erst in besagten 400 Kilometern befindet und wir drosseln unsere Geschwindigkeit auf 70 km/h um dort denn auch anzukommen. Während wir so durch die Wüste tuckern und ich hinten etwas zu Essen mache, fahren wir in eine unglaubliche Sanddünenlandschaft. Langsam wandelt sich milchig weißer Sand in knallig organgenen, dabei sieht man wie stellenweise der eine über den anderen geweht wurde und Muster erzeugt. Aus dem klimatisierten Auto heraus faszinierend, nach nur wenigen Minuten darin herumspazierend vorallem heiß; die Augen brennen vor Licht und Trockenheit, der Sand ist mal überraschend hart, mal weich, befindet sich jedoch sogleich in Schuhen, Bluse und überall sonst.

Irgendwann erreichen wir, ein paar Kilometer früher als gedacht, eine Tankstelle, an der gerade um die zehn auf einen Jeep geladenen und fachmännisch mit einem Seil montierten, nicht dicht schließende Fässer mit Diesel betankt werden und betanken unsererseits den Bus mit Diesel. Etwa 200 Kilometer später, kurz vor der Grenze, bekommen wir an einer Tankstelle, die mehr ein Zapfhahn im Sand ist, unseren letzten saudischen Diesel, dann reisen wir abends um 8.00 ganz unkompliziert und rasch in den Oman ein.

3 Replies to “2023-03-15 In den Oman”

  1. “Heißer Sand, und ein verlorenes Land, und ein Leben in Gefahr…heißer Sand, und die Erinnerung daran, dass es einmal schöner war…”
    Dieser Schlager meiner Kindheit klingt mir im Kopf… Gott sei Dank seid ihr nicht an Wasser und Benzin verdurstet. Bin heilfroh!!!

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