Gastbeitrag von Julie

Nachdem wir den Schock über die Straße durch das Hajargebirge überstanden haben, beschließen wir noch eine Nacht am “little Snake Canyon” zu bleiben, um ihn am nächsten Tag anzuschauen.

Abends kommen drei Motorradfahrer, die nach Feuer zum Grillen fragen und als ich von meinem kleinen Spaziergang zurück komme, sitzt Phil bereits auf ihrem Teppich während Huhn und Reis (was sonst?) köcheln bzw. braten. Wir werden zum Fastenbrechen eingeladen und unsere neuen Freunde, die kaum Englisch sprechen, bestehen darauf, dass wir uns nochmals melden, wenn wir durch ihre Heimatstadt Rustaq fahren.
Am nächsten Tag besichtigen wir den Snake Canyon und bekommen einen leichten Schock wegen der Motorkontrolleuchte, die nach unserer Abenteuerfahrt leuchtet. Nach öfterem Starten leuchtet sie nicht mehr – Problem gelöst. Später als geplant treffen wir daher in Rustaq ein. Wir parken neben dem Fort und ich werde auf einen Omani aufmerksam, der auf uns zeigt – ich erkenne Ashraf, nun in Dishdasha statt legere Motorradkleidung gehüllt, erst auf den dritten Blick.
Im perfekt sauberen und plastikverpackten Auto werden wir durch die Stadt gefahren, Ashraf zeigt uns die heiße Quelle, in der die Männer der Stadt baden können, führt uns durch die Altstadt und stellt enttäuscht fest, dass das Heimatmuseum, das er uns zeigen wollte, wegen Ramadan noch geschlossen ist. Weiter werden uns darum die Maulbeerbäume der Familie, das Gestüt des Onkels mit Arabern und Felder beim Dorf gezeigt. Unser Gastgeber scheint jeden hier zu kennen, hinter jeder zweiten Mauer scheint einer seiner Onkel zu wohnen.

Schließlich gehen wir zum Tor einer von außen unscheinbaren Mauer und Ashraf bittet mich mein Kopftuch aufzusetzen – wir werden in sein Zuhause eingeladen und in die Familie scheint er keine unverschleierten Frauen mitbringen zu wollen.
Die Mauer beherbergt einen riesigen Hof, auf den hinaus mehrere einzelne Häuser und Gebäude schauen. Sie gehören Eltern, Brüdern samt Frau und Kindern und der Familie unseres Gastgebers. Wir werden in ein großes Gästezimmer geführt, Ashraf bringt uns ein Tablett und erklärt er komme in 20 Minuten wieder, schon ist er zur Türe hinaus. Das Essen ist warm und wir rätseln, was nun von uns erwartet wird.

Nach einigen Minuten beginnen wir zu essen, als wir fertig sind kommt Ashraf bald wieder, bringt seine Töchter, Ehefrau und Schwester mit, in der Runde gibt es Tee und Süßigkeiten. Es ist das erste Mal, dass wir uns länger mit arabischen Frauen unterhalten, schließlich bietet mir die Schwester eine Tour durch das – beinahe – Anwesen an, die ich neugirig annehme. Da wir “only women” seien, könne sie mir ruhig alles zeigen. Man hat 3 weitere Gästezimmer – ein besonders schönes für die Männer und ein hübsches aber deutlich kleineres für die Frauen. Es gibt drei Küchen, mehrere Kühe, etliche Ziegen, man beschenkt mich mit Weihrauch und Zitronen, im Garten wachsen Palmen und Getreide. Neugierig frage ich, ob die Frauen ihren Schleier denn auch im Hof tragen – die Frage wird bejaht – es könnte ja ein Onkel oder Schwager auftauchen und der dürfe die Frauen nicht sehen, nur Bruder, Vater und Ehemann. Fotos dürfe ich von ihnen nicht machen, dass wollten die Onkels nicht. Mich beeindruckt das gute Englisch von Ashrafs Schwester (er selber konnte nur bruchstückhaft Englisch), sie sei Ärztin und zeigt sich sehr selbstbewusst. Verschleiert ist sie trotzdem, ich merke mal wieder was für ein ungünstig gewähltes Symbol der Schleier als Symbol für die Unterdrückung der Frau ist.

Nach dem Essen ziehen wir (nicht ohne Eiladung durch die Hausherrin, doch zu “Eid” nochmals auf Besuch zu kommen) wieder los. Ashraf hofft, dass das Museum nun offen ist und zeigt sich enttäuscht; immer noch sind die Türen geschlossen. Durch die Straßen laufen und fahren Kinder und sammeln Süßigkeiten zum Fest der Hälfte des Ramadan. In der Stadt herrscht ein authentisch arabisches Flair, das wir ohne Ashraf so nicht entdeckt hätten. Frauen essen auf Teppichen auf dem Boden und bieten uns Tee und Süßes an, wir werden neugierig beäugt während Ashraf alle möglichen Leute anruft, damit man jetzt doch bitte das Museum öffne. Wir fahren weiter durch die Stadt, werden auf Fleischspieße eingeladen und als unser Gastgeber aufgeben möchte wird endlich jemand geschickt, um uns das Museum zu öffnen. Es ist ca. halb 10 Uhr abends, die halbe Stadt scheint in diese Thematik mit einbezogen worden zu sein, und vor dem Museum wartet außer uns – erwartungsgemäß – niemand.

Stolz wird uns jetzt das mehrere hundert Jahre alte Lehmhaus prästentiert und bietet uns noch ein wenig mehr Einblick in das arabische Heim. Alles wird fotografiert, der Freund unseres Gastgebers, den wir bereits beim Canyon kennen gelernt haben, kommt auch dazu, weitere Fotos werden gemacht und eine weitere Einladung folgt, die wir schweren Herzens ablehnen. Es ist 11 Uhr in der Nacht, todmüde werden wir zum Bus gefahren und sind dankbar, für diese fremde Welt, die wir kennen lernen durften.

2 Replies to “2023-04-08 Rustaq, eine Türe öffnet sich”

  1. Wie schön, dass ihr das alles gefahrlos erleben durftet! Wünsche Euch weitere Highlights!!!

  2. Eine fremde, faszinierende, ganz andere Welt tut sich da für euch auf, toll, was ihr da ein Einblick bekommen konntet und Julie einen Einblick in die Welt der Frauen, das kann sich hier kaum vorstellen, dass so gebildete Frauen das alles so weiter pflegen

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