Mashallah.

Wir haben es geschafft und sind in Aqaba in Jordanien, genau so wichtig aber: wir haben unser Kletterequipment über die Grenze gebracht!

Nachdem wir Israel noch 25€ pro Person für unsere Ausreise gezahlt haben (und das Land zumindest aus finanzieller Sicht gerne hinter uns lassen) werden wir freundlich an der Jordanishen Grenze empfangen. Man lässt sich das Wohnmobil interessiert zeigen, macht halbherzig Anstalten die Einfuhr der Küchenmesser zum Problem zu erklären, dann aber meinen wir nicht recht zu hören, als uns ganz deutlich erklärt wird: die Kletterseile können wir nicht einführen, das sei nicht erlaubt. Wir haben unsere 4 Kisten Kletterequipment vor dem Bus aufzustellen – das könnten wir bei der Ausreise wieder holen. Wir stehen also zwischen Israel und Jordanien mit unserer Ausrüstung (Neupreis vermutlich über 2000€) und den Optionen um fragliche Einfuhrgebühr, neue Versicherung, evtl. Visum im Pass! wieder nach Israel einzureisen, von wo aus wir es über eine andere Grenze probieren könnten, die Ausrüstung aufzugeben oder die Reiseroute einmal wieder stark zu ändern und die nächsten Wochen auch nicht klettern zu gehen.

Unglücklich stehen wir neben dem Auto, es wird telefoniert, man heißt uns zu warten. Wir fragen uns, wie man denn nun eigentlich mittels Kletterseilen die nationale Sicherheit gefährden kann und bald sind wir nicht mehr sicher, ob man uns vielleich vergessen hat? Außer uns ist niemand an der Grenze.

Der erst recht streng wirkende Grenzbeamte kommt zurück und wirkt etwas milder, er nimmt die Verzweiflung in unseren Augen ernst, die insbesondere in meinem Gesicht hilfreich zu sein scheint. Blonde Frauen sind an dieser Grenze wohl doch die Ausnahme. Es wird also weiter telefoniert, ein Soldat wird hinzugezogen. Man heißt uns wieder vor dem Auto zu warten, dieses Einfuhrverbot sei zu unserer eigenen Sicherheit werden wir aufgeklärt. Wir fühlen uns dadurch aber nicht sicherer, eher in großen organisatorischen Problemen.

Dann sollen wir den obersten Officer in seinem Zimmer zu besuchen, dann wieder zurück zu der Ausrüsung vor dem Auto, wo uns entschuldigend Minztee und Süßigkeiten angeboten werden. Der Beamte kommt zurück: nein die Seile könnten wir nicht einführen, das sei zu gefährlich. Ein weiterer Grenzbeamter kommt hinzu, weitere Telefonate werden geführt.

Etwa sechs Beamte stehen mitlerweile um unsere Reepschnüre, Karabiner, Halbseile und Gurte herum und öffnen fachmännisch die Echsen während sie sich beratschlagen. An den Eispickeln scheint man sich nicht zu stören, sehen diese doch für den Laien wie DIE Mordwaffe schlechthin aus. Zwei weitere Seile liegen währenddessen noch unentdeckt im Seilsack im Bus. Halbseile und Klettergurte werden beseite genommen, mit dem Rest könne man uns einreisen lassen. Zu unserer Überraschung schenkt man uns Gehör, als wir erklären, dass wir ja weiter Richtung Oman reisen und nicht direkt wieder nach Israel. Nach weiteren Gesprächen und Telefonaten, bei denen wir nie ganz sicher sind, ob nun die Seile oder der Tee diskutiert werden, wird verkündet, man führe uns nach unserem Aufenhalt in Jordanien von Aqaba mit Seilen an die Saudiarabische Grenze. Ein Fortschritt. Dass wir dann im Radius mit dem Auto recht eingeschränkt sind, weil wir den extrem schwefelhaltigen Jordanischen Diesel nicht tanken wollen, besprechen wir bei dieser Gelegenheit nicht mit den Grenzbeamten. Wir willigen ein und sollen zu den nächsten Checkpoints und die teure Autoversicherung abschließen, danach wieder am Fahrzeug warten.

Hier bekommen wir einige der einbehaltenen Echsen zurück, den Rest sollen wir schon einmal in einen Sack zur Aufbewahrung räumen. Bei weiteren Telefonaten wird darauf hingewiesen, dass wir Deutsche und Österreicher seien, in ihren Augen also anständige Leute. Nach guten 1,5 Stunden wird entschieden, dass wir versprechen (und ich den Grenzbeamten schriftlich geben soll), dass wir unsere Ausrüstung nicht verwenden, wenn wir sie einführen. Auf einem formlosen Blatt wird das also handschriftlich festgehalten, mit meiner Unterschrift. Phil wird nur mündlich verpflichtet. Es wird betont, dass dies nur möglich sei, weil wir aus Österreich und Deutschland (nicht aus Israel) kommen und jeder wisse, dass wir ehrliche Leute seien. Glück gehabt. (Das ganze Theater dürfte wohl auf Israelis, die sich beim Klettern in Jordanien verletzt haben, zurückzuführen sein.)

Danach werde ich angeleitet die Klettersachen unauffällig wieder in den Bus zu räumen und zu verstecken, am Besten ich lege eine Decke darauf, es hätten ja jetzt so viele Leute davon gehört. Willig füge ich mich dieser uns noch neuen Logik – man hätte es ja auch direkt ohne die ganze Grenzstation einzubeziehen klären können. Aber wir sind heilfroh und motzen nicht, alle waren ehrlich bemüht uns zu helfen und freundlich bis herzlich.

Schließlich nach 2,5 Stunden, ein paar Snacks, mehreren Überweisungen und etlichen total herzlichen “Welcome to Jordan”s müssen wir am letzten Checkpoint noch entscheiden, ob wir Geschwister oder verheiratet sind (wir wählen Letzteres) und dürfen mit allem Drum und Dran einreisen. Es fühlt sich an wie der Übergang in eine uns noch recht fremde Welt. An keiner europäischen Grenze wäre dieser formlose Schmierzettel zwei Stunden nach Aufbringen der Idee doch noch die Lösung des Problems gewesen, wir sind uns recht sicher, dass unser Problem aber auch nicht weiter interessiert hätte und schon gar nicht über knapp 3 Stunden von mehreren Beamten behandelt worden wäre. Andererseits wäre das wohl auch nicht notwendig gewesen…

Mir als Frau begegnet man an der Grenze anfangs reserviert, angesprochen wird von manchen Beamten nur Phil, selbst wenn ich antwortete. Mit der Zeit werden die Beamten mir gegenüber immer freundlicher, versuchen mir die Situation nochmals einfach bis kindgerecht zu erklären. Mein “gutes” Englisch und Situationsverständnis überraschen die Beamten, wie sie zu erkennen geben. Aus unser westlichen Perspektive eine sexistische Haltung, zumindest in dieser Situation aber wie ich es empfinde nicht abwertend gemeint, sondern vermutlich auf die Bildungsdifferenz der Geschlechter in arabischen Ländern zurückzuführen. Auch, dass ich als Besitzer der Ausrüstung identifiziert werde, nur ich den Zettel zu schreiben habe und vor allem unauffällig wieder alles in den Bus räumen soll, scheint uns mit meinem Geschlecht zu tun zu haben (ich vermute, dass den Frauen weniger Eigenverantwortung zugestanden wird und man so im Falle besser mit einem Missverständnis meinerseits argumentieren könnte?) Ich bin jedenfalls schon gespannt wie sich das auf der Weiterreise weiterentwickelt, bewähren dürfte sich, den Mann als Dolmetscher zu nehmen.

Unbeantwortet bleibt für uns die Frage, weshalb auswärtiges Amt und österreichisches Außenministerium im Einklang darauf bestehen, dass die Einfuhr von Dieselfahrzeugen schwierig bis unmöglich sei. Die Einfuhr mit Carnet de Passage wurde in vollkommener Routine abgehandelt, kein unnötiger Satz wurde darüber gewechselt.

One Reply to “2023-01-31 Jordanien: Einreise Aqaba”

  1. Mein Gott, was für ein Theater!!!
    Unglaublich! Am Heimflug von Ägypten wurden wir nur 7mal geröntgt, durchsucht, geröntgt, kontrolliert etc… Israel scheint die ganze arabische Welt zum “Kopfstehen” zu zwingen

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