Schei** Weg, Schei** Natur

Als vorläufigen Abschluss unseres Mestia Aufenthalts hatte ich eine besondere Tour ausgesucht. Etwas abgelegen der Haupttouristen-Routen sollte es zunächst auf einen einfachen 3000er gehen. Das Besondere: die Route war in der zweiten Hälfte weglos und, würden es die Witterungsbedingungen erlauben, beinhaltete eine Querung zu einem etwas höheren Nachbargipfel über Schneefelder.

Wir ließen also Zelt und Schlafsack im Bus, packten dafür Steigeisen und Pickel ein, sowie Kocher und etwas vorbereitetes Essen, mit dem wir uns am Gipfel belohnen wollten. Wir stapften mit gemischten Gefühlen los, nachdem wir unsaft um kurz vor 6 von der Polizei in einer “Personenkontrolle” mitten im Wald geweckt wurden. Dennoch freuten wir uns auf die Tour, vor allem als ein junger Hund uns anfing zu begleiten.

Leider wurde er recht schnell von einem böse bellenden anderen Hund wieder vertrieben und wir waren wieder alleine. Gut wahrscheinlich jedoch für den jungen Hund weil ihm die nun folgenden 20km und 1700 Höhenmeter “de Malheur” erspart bleiben konnten.

Der untere Teil auf dem “Weg” hörte spätestens auf seinen Namen zu verdienen, als wir nach dem ersten Aufstieg plötzlich vor einer meterhohen “Blumenwiese” standen. Wir kämpften uns durchs Dickicht, wo wir den Boden voller Pflanzen kaum erkannten, zum nächsten Wegweiser. Das unter den “Blumen” auch zahlreiche Brennesseln standen erfühlten wir recht schnell an unseren nackten Beinen, die in kurzen und in Julie’s Fall sehr kurzen Hosen steckten. Ohne die wäre die Hitze aber wohl auch kaum erträglich gewesen.

Die nächsten 3 km führten auf einem oft kaum erkennbaren Pfad durch Mal mehr Mal weniger hohes Gestrüpp auf Mal weniger mal ziemlich Steilen Wiesenhängen zum Bak-Pass hinauf. Das Einzige, was dabei schlimmer war als die alleseits kratzenden, pieksenden Gräser und die schwüle Hitze war Julie’s Gejammer, das mich immer wieder von Hinten ereilte und mich stetig daran erinnerte, das sie auch keinen Spaß hatte.

Die Hoffnung, das die Tour weiter oben besser werden würde verflüchtigte sich nach dem Bak-Pass, als der Aufstieg sich schlicht über einen riesigen, steilen Wiesenhang vollzog. Dieser war von Unebenheiten und Löchern durchzogen, so dass man bei jedem Schritt aufpassen musste wohin man trat. Sehen konnte man den Boden aufgrund der Gräser oft auch hier nicht. Dass überhaupt auf dieser Höhe noch so viele Pflanzen wuchsen hatte ich nicht erwartet. Doch sie machten den ohnehin beschwerlichen Weg nun auch noch rutschig. Auch Julie’s Stimmung war nach kurzer Beruhigung wieder gekippt und ich versuchte etwas Abstand zu halten, um nicht ständig an mein schlechtes Gewissen wegen der Tour erinnert zu werden.

Die interessante Querung, für die wir die Steigeisen dabei hatten, entpuppte sich schnell als undurchführbar, da über dem Geröll kaum noch Schnee lag. So löste sich auch die letzte Chance, dass die Mühen sich gelohnt hatten in Luft auf. Die Aussicht, war natürlich nicht schlecht von hier oben, aber nicht vergleichbar, mit dem was wir die Tage vorher schon gesehen hatten.

Wir schleppten uns die letzen Meter den unspektakulären Gipfel hinauf, wenigsten wuchs hier nun kein Gras mehr, und machten schnell ein paar Fotos am Gipfelkreuz. In einem kurzen Sonnenbad konnten wir etwas entspannen und zeitweise verdrängen, dass wir bald alles wieder hinunter mussten. Wir trösteten uns jedoch mit dem Essen, dass wir dabei hatten und das wir auf dem Abstieg am Bak-Pass zu uns nehmen wollten.

Nach 2h beschwerlichen Abstiegs über den Wiesenhang begann ich, wieder am Bak-Pass angelangt, den Kocher vorzubereiten. Wie zu Erwarten, jedoch wider unserem Erwarten war mittlerweile mitten am Tag und auch die Natur um uns war zu voller Blüte erwacht. Ich wurde in der brallen Sonne umschwirrt von dicken Fliegen, Käfern und Bremsen, die mal nur kitzeln, mal auch stechen. Am fiesesten waren dabei die winzigen, obstfliegengroße Fliegen, die zu Hunderten an meinem Bein entlang schwirrten und bei Gelegenheit sich ein Stück Haut herausbissenen. Am Anfang spürte man das kaum, irgendwann fing es aber dennoch an weh zu tun. Am Schlimmsten war, die Bisse würde über die Folgetage hinweg noch unentwegt jucken. Ich bekam große Lust mit einem Kanister Diesel, die komplette Wiese um uns abzuroden. Von Wegen Artenvielfalt und unberührte Natur, ich wollte totes Geröll in dem ich in Frieden zu Mittagessen kann. Stattdessen warfen wir uns unsere langen Klamotten über und wurden nur von einem Schweißbad verschont, weil glücklicherweise ein paar Wolken aufgezogen waren. Unser Essen hob unsere Stimmung dann trotz allem wieder deutlich an, bevor wir ins an die zweite Hälfte des Heimwegs machten.

Der Rückweg ist genau so bescheiden wie der Hinweg und während wir so dahin trotteten kam mir wieder einmal die Frage auf, ob “Wildnis” wirklich das ist was man als “Naturfreund” sucht. Irgendwie will man doch nur die gezähmte Wildnis mit großen Tieren, aber bitte keine gefährlichen, mit Schmetterlingen aber bitte ohne Mücken, warm aber bitte nicht zu heiß und am Besten mit einem kühlen Bier am Ende. Und dass gönnten wir uns dann auch und belohnten uns für die Tour, die wir am liebsten nicht gemacht hätten.

2 Replies to “2023-07-07 Bak”

  1. Lieber Phil, ich stimme Dir vollkommen zu: Natur pur ist extrem unangenehm, stechende Insekten, unbarmherzige Sonne, Hitze, Kälte, Regen, stinkendes Seegras, Sandstrände, Vogelgekreisch etc etc killen jegliche Naturschönheiten. Man wünscht sich nur sein Zuhause… Im Nachhinein bleiben Gott sei Dank nur die schönen Erinnerungen…LG

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