Die Entscheidung ist gefallen. Nach wochenlangem Hin- und Herüberlegen, Online-Recheche und Kontaktieren von verschiedenen Reedereien entscheiden wir uns, unsere Reise in Israel fortzusetzen. Damit beginnt auch das tatsächliche “Overlander Leben”, denn von nun an machen wir nicht einfach nur Urlaub, nein das Reisen ist viel Arbeit und auch verdammt teuer. Aber man hat ja nicht jedes Jahr ein Jahr Auszeit und bei der momentanen Inflation gibt man das Geld wahrscheinlich eh am Besten einfach aus.

Die Verschiffung nach Israel ist mit einigen Unwägbarkeiten verbunden. Beispielsweise unterschreiben wir bei der Reederei Salamis, dass sie keine Verantwortung dafür übernehmen wann, wieviel unseres Fahrzeugs und in welchem Zustand in Haifa ankommt. Anschließend geben wir Ihnen die Schlüssel und den Fahrzeugschein des Autos und lassen Sie damit 4 Tage alleine, selber mitfahren dürfen wir auf dem Schiff nämlich nicht.

Kommt unser Auto heil in Israel an, möchten wir damit weiter über die arabische Halbinsel fahren. Leider erfüllt die Dieselqualität dort nicht immer europäische Standards. Ein Problem vor allem für neuere Fahrzeuge mit Diesel Partikel Filter, wie das unsere. Vor allem in Jordanien müssen wir die Tankstellen meiden. Kommt es zu einer Verstopfung des Filters, können wir uns auf umfangreiche Reperaturarbeiten gefasst machen, wenn das Problem überhaupt vor Ort gelöst werden kann. Wir hören aber auch von anderen Reisenden, die keine Probleme (mit teilweise noch neueren Autos) hatten und verlassen uns auf Aussagen wir “Da hat sich in den letzten Jahren viel getan”. Toi toi toi!

Geht soweit alles gut, bleibt immer noch die Tatsachen, dass ein Landweg nach Deutschland in alle Richtungen versperrt ist. Im schlimmsten Fall müssen wir beim Rückweg wieder eine Verschiffung in Kauf nehmen. Wir hoffen aber darauf, dass sich der Iran bis in paar Monaten wieder beruhigt hat und wir eventuell doch noch darüber zurückreisen können.

Gegen die meisten Risiken sind wir machtlos, oder hätten uns bereits in Deutschland darum kümmern müssen. Ein paar Dinge bleiben jedoch, die wir noch vor der Verschiffung angehen können. So decken wir uns noch in Griechenland mit ordentlich viel Kaffee und Sojagranulat ein. Zudem versperren wir für die Überfahrt den Einstieg in den Wohnraum mit präzise plazierten Brettern und Spanngurten. Auch kaufen wir uns noch einen Ersatz-Dieselfilter und lassen unsere Gasflasche befüllen.

Kurz vor Abfahrt stellen wir fest, dass unsere Seitentüre nicht mehr über die Zentralverriegelung schließt und somit nicht mehr abschließbar ist – Ein Super Gau für eine Verschiffung bei der wir nicht dabei sind. Glücklicherweise, kann uns ein KFZ-Mechaniker schnell helfen und es stellt sich heraus, dass kein Problem mit dem Schließmechanismus besteht.

Am 16. Januar 2023 sind alle Vorbereitungen getroffen und wir fahren mit Liaa zum Hafen. Mit mulmigem Gefühl drücken wir Schlüssel und Fahrzeugschein den im verrauchten Container sitzenden Griechen in die Hand und hoffen, dass alles gut geht. Es stellt sich heraus, dass wir mit unserer Verschiffung nicht allein sind. Neben unserem Bus wird ein 12 Tonnen schweres Reisemobil inklusive Motorrad einer fünfköpfigen Familie verschifft, die wir im Anschluss auch noch kennen lernen.

Nachdem Liaa unterwegs ist fehlen noch wir, wir mieten uns für eine Nacht in einem Hostel in Athen ein und warten auf unser Flugzeug am folgenden Tag. Entspannt genießen wir unseren letzten Tag in Griechenland in dem fulminanten Luxus eines mehrräumigen Hauses.

Am 17.01.2023 erreichen wir nach kurzem Flug Tel Aviv und nehmen den Zug nach Haifa in unser nächstes Hostel. Dort treffen wir neben ein paar anderen ulkigen Gestalten einen österreichischen Motorradfahrer, der sein Motorrad am Vortag über Salamis verschifft hatte und uns mental schon auf den Tag der Einfuhr vorbereitet. Den Mittwoch nutzen wir noch zum Abschließen einer KFZ-Haftpflichtversicherung und finden uns dann am Donnerstag zusammen mit der fünfköpfigen Familie bei der Reederei ein, um unser Auto abzuholen.

Für die Zollformalitäten dürfen nur die Fahrzeughalter (Niko und ich) an den Hafen und ein Mitarbeiter der Reederei begleitet uns, wohlwissend, dass wir als Fremde dort alleine verloren wären. Die nächsten 6h verbringen wir damit Reisepass, Verschiffungsschein, Fahrzeugschein und VIN verschiedensten Personen zu zeigen. Rucksack und Fahrzeug wird mehrfach (sehr oberflächlich) durchsucht / inspiziert. Alle möglichen Angaben zur Einfuhr müssen gemacht werden. Zwischen den einzelnen Stationen wird man von der Hafenpolizei eskortiert. Aber alles in allem geht es gut. Liaa kommt wohlbehalten in Haifa an. Der Zoll hat nicht viel zu meckern und gegen 4 Uhr mittags dürfen wir mit unserem Bus und israelischem Führerschein vom Hafen fahren – begleitet von vielen “Welcome to Israel” und “Have a nice stay in Israel” vom Hafenwachpersonal und Zoll. Wir sind drin :)!

4 Replies to “2023-01-16 Verschiffung Israel”

  1. Gott sei Dank seid ihr und der Bus unbeschadet angekommen!! Auf weitere Abenteuer freut sich eine begeisterte Blogvisiteurin.

  2. Ganz schön spannend eure Verschiffung, Gott sei Dank ist alles gut ausgegangen, drücke euch die Daumen für die nächste Zeit, auck LIAA, dass es gut mit dem arabischen Diesel zurechkommt

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